Sven A. Korf - Ingenieur & Industrieberater

Aufgewachsen bin ich im Beiwagen der BMW meines Vaters. Davon geblieben ist mir außer diesem Foto ein ordentlicher Brandfleck vom Auspuff an der Wade. Es war halt nicht so schlau, in Richtung Motorrad aus dem Beiwagen zu steigen.

Meine ersten eigenen Fahrversuche habe ich dann in den Siebzigern auf einer uralten Moto Guzzi Falcone gemacht. Recht stilvoll, muss ich im Nachhinein feststellen. Die Guzzi stand bei dem Bauer in Südtirol, wo wir Urlaub machten, auf dem Hof und war natürlich der Urlaubshit schlechthin. Spätestens seit diesem Urlaub bin ich infiziert.

Mit 15 Jahren und ziemlich mittellos begann ich in der Familie die Diskussion über meinen ersten eigenen motorisierten Untersatz. Günstig wirkte sich dabei die nicht zu leugnende Zweiradleidenschaft meines Vaters aus. Die üblichen Diskussionen von wegen "zu gefählich" blieben mir somit erspart. Leider setzte sich der Vater bei der Auswahl der Art des Gefährtes durch. In Anbetracht meiner finanziellen Möglichkeiten konnte er das. So begann ich meine Bikerkarriere mit einer Vespa 50 N, was natürlich aus meiner damaligen jugendlichen Sicht der Dinge völlig uncool war. Eine Zündapp KS 50 wäre mir deutlich lieber gewesen.

Das größte Problem bei der Vespa war die zwingend erforderliche Leistungssteigerung, denn das Ding fuhr wie ein Sack Nüsse, maximal 43 km/h. Mangels Kette und Ritzel war es etwas aufwändiger, der kleinen Italienerin zügiges Fortkommen beizubringen. Hier kamen mir die Italienurlaube meiner Eltern entgegen. Dort gab es nicht diese hanebüchenen Geschwindigkeitsbegrenzungen und, ganz wichtig, die richtigen Ersatzteile. Ich beschloß, keine halben Sachen zu machen und schmuggelte einen 90 ccm Umbausatz nach Hause, Hubraum zählt eben.

Der Umbau erwies sich mit den richtigen Teilen an der Hand als recht einfach und das Ergebnis überzeugte. Fortan konnte ich nicht nur problemlos in Verkehr mitrollen, sondern beim Ampelstart auch locker mal eine Ente abhängen. Natürlich musste in Anbetracht der kleinen Räderchen und der völlig überforderten Bremsanlage man etwas todesmutig sein und legal war das alles natürlich auch nicht, aber bei der Polizei war man als Vespa-Treiber nicht wirklich auf dem Radar. Die zählten damals lieber die Zähne an den Ritzeln der Kreidlers und Zündapps.

So kam ich halbwegs unfallfrei und unentdeckt von der Staatsgewalt durch bis zu meinem 18. Geburtstag und zu einer Yamaha SR 500. Endlich konnte man sich als vollwertiger Verkehrsteilnehmer fühlen und hatte keine Leistungssorgen mehr. Aus heutiger Sicht ist die SR natürlich eine lahme Ente mit einem wabbeligen Fahrwerk. Die Gabel war so weich, dass sie sich bei einer ordentlichen Bremsung übers Vorderrad verbog. Man kam dann immer einen halben Meter weiter links zu stehen, als eigentlich angepeilt war. Trotzdem kann ich mich an wunderschöne Touren bis nach Österreich und Italien erinnern.

Irgendwann ist mir dann der Zylinderkopf gerissen, was mich zum Verkauf bewogen hat. Es folgte eine nicht nur motorrad- sondern auch autolose Zeit, ich hatte mich im öffentlichen Straßenverkehr etwas daneben benommen und war dabei erwischt worden. Der Richter quittierte das mit einem Jahr Fahrverbot, mein Zweirad kam fortan von Winora.

Die Widererteilung meines Führerscheins war mit einem Shock verbunden. Die Gesetzeslage hatte sich geändert. Der kleine Einser war eingeführt worden und der Amtsschimmel befand, dass ich auch nur diesen zurück erhalten sollte, da ich seinerzeit nur auf einer 27 PS Maschine meine Fahrprüfung abgelegt hatte (das wussten die!!).

Also gab's als nächstes einen Clubman, die Honda GB400. Zum Fahren bin ich aber kaum noch gekommen. Mein Studium ging dem Ende entgegen und sehr schnell wurde klar, dass ich nach Thailand umziehen würde. So blieb die kleine Honda nach ein paartausend Kilometern verwaist in der Garage meiner Eltern zurück.

Vorher gab's aber noch eine faustdicke Überraschung. Irgendein unbekannter Held, der das gleiche Führerscheinproblem hatte wie ich, hatte sich nicht in sein Schicksal ergeben und war vor Gericht gezogen, Besitzstandswahrung, u.s.w. ... und er hatte gewonnen. Infolge dieses Urteils wurden bundesweit alle betroffenen Motorradführerscheine kostenlos wieder zu ihrer alten Herrlichkeit umgeschrieben. Ich kann mich noch daran erinnern, an diesem Morgen auf der Führerscheinstelle eine Menge Kumpels getroffen zu haben.

Dem unbekannten Helden sei hier noch einmal ausdrücklich gedankt!!

Zwei Jahre später kehrte ich aus Thailand zurück oder besser, zu diesem Zeitpunkt glaubte ich das. Die Abfindung von der UNO wurde natürlich umgehend in ein neues Motorrad investiert. Vielleicht lag's an dem südtiroler Bergbauer, vielleicht auch an den ganzen Vollpfosten, die mit ihren chromblitzenden Harleys die Gehwege vor den Eisdielen zuparkten, ich weiß es nicht mehr.

Meine Entscheidung fiel jedenfalls zugunsten einer Cali III. Damals war Guzzi praktisch pleite und wahrscheinlich hat man sich in Mandello del Lario regelrecht erschrocken, als jemand anrief und ein Motorrad bestellen wollte. Jedenfalls kam anstelle des Motorrades eine Art Bausatz aus Italien, den ich dann gemeinsam mit meinem Händler in Deutschland zusammengebaut habe. Im Nachhinein muss ich sagen, die Cali war ein richtig geiles Motorrad, vielleicht das beste, das ich je hatte. Die lag wie ein Brett, der Motor war durchzugsstark und elastisch und hatte die Leistung, von der man bei Harley vor zwanzig Jahren nur träumen konnte.

Trotzdem, 1999 war es soweit. Ich war mittlerweile in Malaysia und kaufte meine erste Harley. Ein gebrauchter US Road King, der sich irgendwie nach Kuala Lumpur verirrt hatte und wegen der Krise günstig zu haben war. Das Foto entstand in Kassel, nachdem ich in 2002 meine Sachen mal wieder nach Hause gebracht hatte. Der Road King war mir über viele Jahre ein treuer und erstaunlich zuverlässiger Begleiter.

Eine unserer vielen Touren führte uns an den Comer See, der Heimat von Moto Guzzi. Das nächste Bild zeigt mich am Original-Schreibtisch von Carlo Guzzi. Er wird mir hoffentlich vergeben, dass ich dort mit so einem unzivilisierten Eisenhaufen aus Milwaukee angreist bin.

In der Zwischenzeit hatte ich nochmal Zuwachs bekommen, einen ziemlich verwahrlosten 1948er Panhead, den ich restaurieren wollte. Hätte ich gewusst, was da auf mich zu kommt, ich hätte es nicht gemacht. aber Gott sei Dank weiß man es ja vorher nicht.

Die Story des Panhead hat eine eigene Seite verdient. Jedenfalls kam der Road King auch irgendwann in die Jahre und ich war der Meinung, dass ein Bastelmotorrad vollauf genügt, vor allem dann, wenn man ohnein kaum Zeit zu Hause hat. Der Harley-Händler in Münster war recht großzügig bei der Inzahlungnahme und so tauschte ich in 2010 den Road King gegen eine Street Glide.

Keine schlechte Entscheidung. Der Street Glide hat einen sechsten Gang und knapp 20 PS mehr und das macht den entscheidenden Unterschied. Außerdem weiß ich die Batwing-Verkleidung zu schätzen. Ich weiß, das klingt etwas pussyhaft, aber spätestens bei der ersten Regenwand in den Alpen sind dann doch alle irgendwie meiner Meinung. Außerdem mag ich die Musik beim Moped fahren nicht mehr missen. Bikes & Rock n'Roll gehört eben irgendwie zusammen.

Schließlich noch ein herzlicher Gruß an meine langjährigen Mitfahrer Jürgen, Conny und Leo. Ohne euch hätte das alles nicht einmal halb soviel Spass gemacht.